6.1.8 Offene Schullandschaften – Compartments, RG besser als A4
Bitte lesen Sie zunächst die für alle Kapitel „übergeordneten“ Hinweise unter 6 und 6.1.
Bei diesem Kapitel bin ich mir sicher, dass meine Beschreibungen noch auf Jahre hinaus nicht den „End-Stand“
erreichen werden, sondern dass ich immer wieder einmal neue Erkenntnisse über Wünsche und Notwendigkeiten sowie auch über Erfolge und Miss-Erfolge einarbeiten muss (und werde). Das meiste habe ich
bisher aus den weiter unten verlinkten Veröffentlichungen abgeschrieben, denn eigene Erfahrungen von ausgeführten Objekten liegen noch nicht vor (meine Erfahrungen werden gerade erst geplant und
gebaut. 😉) Ich habe mich bemüht, die jeweiligen Zitate kenntlich zu machen;
falls mir doch eins „durchgerutscht“ sein sollte, bitte ich die Autorinnen schon hier um Entschuldigung.
Derzeit hat dieses Kapitel den Stand vom April 2025.
Die „neuen Unterrichtsformen“ mit Anleitung zum selbständigen Lernen sind zwar in Vieler Munde, aber kaum jemand weiß (schon) genaues darüber, wie die dafür notwendigen Räume beschaffen sein sollen/müssen. Auch für die meisten der zukünftigen Nutzerinnen ist dieses Thema Neuland. Und den Fachingenieurinnen für Akustik geht es (wie mir selbst) ebenfalls noch nicht anders.
Bisher liegen zwei Veröffentlichungen vom März 2023 dazu vor, einerseits von Ch. Böhm und A. Moll „Offene Raumkonzepte in Schulen – Ein Überblick über Anforderungen und Lösungsansätze“ und andererseits von H. Brokmann „Eine Fallstudie zu offenen Lernlandschaften - Raumakustische Parameter und Erfahrung aus 10 Jahren Nutzung“ in den Beruflichen Schulen Witzenhausen.
Auch die Montag Stiftungen Jugend und Gesellschaft fordern flexible architektonische Strukturen: Eine monofunktionale Sichtweise nach dem Prinzip ‚Ein Raum = eine Funktion‘ sei nicht mehr zeitgemäß, heißt es in dem in dem Standardwerk „Schulen Planen und Bauen 2.0“, und sie widerspräche den vielfältigen Lernformen, deren Anwendung heute erforderlich sei. In jüngster Zeit haben sich drei verschiedene Organisationsmodelle durchgesetzt, die eine flexible und individuellere Raumnutzung möglich machen:
- das Klassenraum-Plus-Modell, bei dem das herkömmliche Klassenzimmer um weitere Flächen ergänzt wird, die eine größere Differenzierung möglich machen. So werden z. B. Rückzugsorte oder Gruppenräume geschaffen oder die Klassenzimmer so vergrößert, dass eine Differenzierung innerhalb eines Raumen möglich ist.
- das Cluster-Modell, bei dem mehrere Klassen einen Pool von Räumen nutzen. Die Räume sind hier so angeordnet, dass verschiedene Kombinations- und Trennungsvarianten möglich sind.
- die Lernlandschaft, die völlig ohne Klassenzimmer auskommen kann und bei der Lernsituationen in einem offenen Raum geschaffen werden.
Von den Montag-Stiftungen wurde die Broschüre „Akustik im Schulbau, Neue Konzepte und Empfehlungen“ herausgegeben. Autor des raumakustischen Teiles ist wiederum Ch. Böhm vom Akustik-Ingenieurbüro Moll; den bauakustischen Teil haben Ch. F. Walczak und M. Jäger von Krebs+Kiefer bearbeitet. Raumakustik und Schallschutz sind bei den offenen Schullandschaften weit enger verzahnt als in den „klassischen“ Schulen mit geschlossenen Räumen.
Ein wichtiger Bestandteil vieler neuer Schulbauten ist außerdem die Einbindung der Schule in die städtische Umgebung. Daher werden Schulen so konzipiert, dass zentrale Funktionsbereiche von den Anwohnerinnen oder auch Institutionen und Vereinen mitgenutzt werden können. Bisher kennen Schulen nur die Nutzung von Sporthallen am Nachmittag und Abend durch Sportvereine und bisweilen die von Musikräumen durch Musikschulen. Das könnte sich (zunächst) auch auf Werk- und Kunsträume sowie die in den Schulen vorhandenen Veranstaltungsräume (und vielleicht sogar die Mensen) ausweiten…
Nicht zuletzt müssen auch die Lehrenden in dem neuen Raum mitgedacht werden: Ihre Rolle ist dabei nicht die von Einzelkämpfern, sondern sie arbeiten im Team. Das neue Schulkonzept sieht daher auch für Lehrkräfte genug Teamräume vor. Um die Fehler der ersten offenen Schulen der 1960er und 1970er Jahre zu vermeiden, ist es wichtig, die Pädagoginnen und Pädagogen in die Umstrukturierungsprozesse bzw. den Neubau von Schulen einzubinden.
Eines laut Christian Kühn „der radikalsten, aber auch erfolgreichsten Beispiele“ für einen solchen partizipativen Planungsprozess ist die Hellerup Skole in der Gemeinde Gentofte bei Kopenhagen. Das räumlich-pädagogische Konzept für den Neubau entwickelten die Architekten gemeinsam mit Lehrenden, Vertretern der Gemeinde, Eltern und Schülerinnen und Schülern im Rahmen einer zwei Jahre dauernden Entwurfsphase. https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/278835/der-raum-als-dritter-paedagoge-ueber-neue-konzepte-im-schulbau/
Herzstück einer Compartmentschule sind die flexibel nutzbaren Unterrichtsbereiche, also die sogenannten “Compartments”. Jedes Compartment funktioniert wie eine kleine Schule mit einem Forum als pädagogischem Zentrum, Unterrichtsräumen, Teambereich und ergänzenden Flächen. Mehrere Compartments bilden zusammen mit Fachräumen, Lernwerkstätten, Mehrzweckraum und Mensa eine große Schule.
Die bauliche Transparenz durch Sichtachsen und Blickverbindungen zwischen den Räumen fördert konzentriertes Lehren und Lernen bei gleichzeitiger Ansprechbarkeit. Die flexible Möblierung ermöglicht vielfältige Unterrichtsformen wie Gruppen- und Einzelunterricht, ohne auf den sonst klassischen Frontalunterricht beschränkt zu sein.
Die Compartmentschule ist auf Inklusion und Ganztagsunterricht ausgerichtet. Spezielle Räume wie der Bewegungsraum, Logopädie- und Therapieraum unterstützen die motorische Entwicklung und individuelle Förderung.
https://architekturvideo.de/berliner-compartmentschule-raumkonzept-paedagogik/
Die schalltechnischen Anforderungen für die bauliche Umsetzung offener Lernkonzepte sind zwar dem Sinne nach denen für geschlossene Räume vergleichbar, aber in Detail anders und sehr viel enger miteinander verzahnt. Die geringere oder sogar fehlende Schalldämmung muss durch eine geringere Geräusch-Entstehung, sowohl bei der Sprache als auch bei den Störgeräuschen, eine größere Schallpegel-Abnahme entlang der Ausbreitungswege zu den Nachbarbereichen und eine geringe Sprachverständlichkeit im Nachbarbereich ersetzt werden. Nach den oben erwähnten Ausarbeitungen von Böhm und Walczak / Jäger lauten die entsprechenden Anforderungen:
ZWEI BEREICHE UNTERSCHEIDEN:
- KOMMUNIKATION
- KONZENTRATION
GUTE AKUSTIK IN KOMMUNIKATIONS-BEREICHEN
- ausreichende Lautstärke
- starker Direktschall
- gute Sprachdeutlichkeit
- kurze Nachhallzeit
- geringe diffuse Schallanteile
- geringe Echos
- geringer Störschall
GUTE AKUSTIK IN KONZENTRATIONS-BEREICHEN
- ausreichende Vertraulichkeit
- zeitlich gleichmäßiges Verdeckungsgeräusch
- keine Einzeltöne
- gute Ausbreitungsdämpfung
- gute Abschirmung
- geringe Lärmbelastung
Hier bin ich noch (und wohl für einige Jahre) nicht fertig…
Was ist bei offenen
Schullandschaften zu tun? |
Stand 2025-03-31
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